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Phasenregelung / Phase Control Y4

Die folgenden Ausführungen sind nur für die Y4-Baugruppe 302.5890 zutreffend welche im SMS2 und in späteren Modellen des SMFS2/SMFP2 zum Einsatz kommt. Bis ca. Mitte 1983 wurden Y4 mit der Bezeichnung 302.5819 verbaut - der Mantel des Schweigens sei darüber gebreitet.

Hier das Ausgangssignal eines SMFP2 bei 280MHz und 10dBm, betrachtet mit einem modernen Spektrumanalysator. Die Pegel der Nebenwellen bleiben deutlich unter -70dBc und erfüllen die Spezifikation (<-65dBc). Die beiden 2MHz-Linien sind durch die Referenzfrequenz der Ausgangs-PLL (gebildet aus Hauptoszillator Y3 und Phasenregelung Y4) bedingt; die Herkunft der markanten Störungen die in etwa symmetrisch zu schwachen 1MHz-Seitenlinien liegen, bleibt zunächst unklar.

Spektrum vor Upgrade (280MHz,10dBm)

Nach längerem (!) Grübeln und Suchen stand fest, dass die Störungen in der PLL selbst - genauer: im "M-Teiler" auf Y4, bestehend aus B10, B11, B12 und B13 - entstehen. Digitale Logik ist durchaus empfindlich auf Störeinkopplungen über die Versorgungsspannung! Als Störquellen kommen vor allem B13 und die Gatter B11/2, B11/4 und B10/4 in Betracht.
Als Störsenken, will sagen, für Einstreuungen empfänglichste Bauelemente sind B12 und die Gatter B10/1 und B10/2 anzunehmen. Andere sensible Funktionsgruppen, wie der Pufferverstärker B30,T42,T43 und der Phasenkomparator B60 samt Umgebung (T55,T61,T71) sind über LC-Glieder in der Versorgung ausreichend isoliert.

Die beiden folgenden Bilder zeigen die Lage von B10 und B12 am Print. Die Schirmdeckel über dem Teiler sind bereits entfernt.

Y4 (302.5890) Bauelementseite - überblick     Y4  (302.5890) Lötseite - überblick

B12 und B10 werden nun durch je ein LC-Glied in der +5V-Leitung abgeblockt. Nach Auslöten von C225 ist auf der Bauteilseite wie im Bild gezeigt die Spannungszuführung an zwei Stellen zu unterbrechen (mit Ohmmeter nachprüfen):

Operationsgebiet: Bauelemente und Schnittführung

Statt C225 einen möglichst guten Low-ESR-Elko einsetzen. Achtung: vorerst nur die Masseverbindung löten, den anderen Draht noch nicht. (Wer es ganz perfekt machen will ersetzt auch C227 durch z.B. einen 220nF- Folienkondensator im Rastermaß 2,5mm.) Nun lassen sich die EMV-Drosseln zwischen B12/Pin16 und C227 sowie Pin14/B10 und C225 einlöten. Zur Überbrückung der fehlenden Strecke bei B10 den noch nicht verlöteten Anschlussdraht von C225 zurechtbiegen, kürzen und alles festlöten.

Bauelementseite nach Umbau      Lötseite nach Umbau

Die zwei SMD-Keramikkondensatoren (Bauform 1206) wie gezeigt von P14/B10 und Pin16/B12 gegen Masse löten. (Vorsicht: die dünne Leiterbahn bei B10 beim Blankkratzen und Verzinnen der Massefläche nicht verletzen!) Bei Verwendung einer kleineren Bauform als 1206 muss der Kondensator an B10 anders gelegt werden: einfacherweise an das Massepad des (neuen) C225.

Fertig! (War doch gar nicht so schlimm!?) Nach Wiedereinbau von Y4 präsentiert sich das Ergebnis:

Spektrum nach Upgrade (280MHz,10dBm)

Na? Um den Unterschied möcht' ich Klavierspielen können!

Allfälliges

Die Seitenlinien bei 2MHz (Referenzfrequenz) und nahe 100kHz blieben von der Operation unberührt. (Dem genauen Beobachter fällt vielleicht auf, dass die 2MHz-Linien sogar um vielleicht 1dB stärker wurden. Dieser Effekt ist tatsächlich reproduzierbar; siehe Anmerkung.)

Frei nach Paul Watzlawick -"Mehr desselben!"- wurden auch noch die Störquellen B11 und B13 derselben Behandlung unterzogen: Ergebnis gleich null! Die verbliebenen kleinen Zipfelchen im Spektrum sind vermutlich auf Verkopplungen innerhalb von B10 zurückzuführen. Nur die Verlagerung der Funktion des Gatters B10/4 in einen anderen IC (z.B. ein freifliegend eingelötetes Single-Gatter) könnte helfen.
Umgekehrt wäre es interessant zu wissen, ob die Abblockung der Versorgung von B12 überhaupt zur erzielten Nebenwellenreduktion beiträgt...

...und wenn wir schon dabei sind (I)...

sollten gleich sämtliche Elkos getauscht werden. Die heute erhältlichen Elkos sind selten im passendem Rastermaß von 5mm zu finden; siehe Hinweise.
 C32,33   Ein Low-ESR-Elkos z.B. 33µF/20V oder mehr sind empfehlenswert 
 C62  Ein guter Aluminium-Elko mit z.B. 100µF (16V ausreichend, aber 100V-Typ hat RM5, detto Low-ESR-Elko 100µF/20V)
 C91,96  Wie C151,154. Low-ESR-Typ 33µF/20V wäre vermutlich overkill
 C151,154  Guter 10µF oder 22µF/63V Aluminium-Elko (33µF/100V hätten RM 5)
 C217  2,2µF/63V RM5 Folienkondensator

...und wenn wir schon dabei sind (II)...

sollten gleich folgende Bauelementwerte auf Letztstand geprüft werden:
 C68  12pF 
 C77  150pF 
 R61,R71  3k92 

Bauelemente

Anmerkungen post festum

Die Sache mit den leicht erhöhten 2MHz-Linien ist im nachhinein gesehen eigentlich ganz logisch: Die Auswahl der Bauelemente zur Entkopplung (1000-Ohm-Drossel und 22nF-Keramikkondensator) sorgt zwar für gute Unterdrückung ankommender Störungen, aber auch für eine relative hohe Quellimpedanz (einige Ohm im Bereich um 2MHz) der Versorgung aus Sicht von B10 und B12. Das leistet Übersprechen zwischen Schaltungsteilen innerhalb von B10 und B12 Vorschub. Eine Kombination aus z.B. 220nF und 200-Ohm-Drossel wäre vermutlich zweckmäßiger gewesen! Wichtig: auch bei höheren Kapazitätswerten keine schlechtere Keramik als X7R verwenden.

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Last update: 2007-01-28, Gottfried Ira ira@oe1ira.at
http://www.oe1ira.at/rs/y4/y4.html